Dil Betigil Schule
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unseres Wasserhahn- Buchprojektes
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Zur Geschichte der
Dil Betigil Schule
In dem alten dreistöckigen Gebäude, das in seiner historischen Bauweise mit dem geräumigen Saal im Erdgeschoß einen imposanten Anblick bietet,
sind gegenwärtig verschiedene Büros und Dienstleistungsbereiche untergebracht.
Der große Saal wird dabei in vielfältiger Weise genutzt. Daneben
gibt es zwei weitere Gebäude, in denen sich Unterrichtsräume, Laboratorien und die Bibliothek befinden.
Man erzählt sich, daß diese Gebäude als
Wohnsitz von Fitaurari Beyene Yimer errichtet wurden, einem Höfling von Kaiser Menelik II. und früheren
Leiter des äthiopischen Post- und Telegraphenamtes.
Kaiser Haile Selassi I. schickte Fitauri (=General) Beyene Yimer aufgrund von Zwistigkeiten aufs Land und vermachte dessen
Haus dem Gemahl seiner Tochter, Prinzessin Tenanye Work Haile Selassi, Ras (=Fürst) Desta Damou als Wohnsitz.
Bis zum italienischen Überfall im Jahre 1928 Äth. Kal. ( =1935/36) gaben Ras Desta und seine Familie für die Bewohner der
Umgebung im großen Saal ihres Hauses regelmäßig ein Fest. Nachdem Ras Desta im Kampf gegen das faschistische Italien gefallen und seine Familie
mit dem Kaiser ins Exil gegangen war, ist ihr Haus, so wird berichtet, von den Italienern zur militärischen Ausbildung, als Proviantspeicher,
als Reparaturstützpunkt und sogar als Schweinestall benutzt worden.
Als Prinzessin Tenanye Work Haile Selassi aus dem Exil zurückkehrte,
lebte sie mit ihren Kindern in einem Wohnhaus neben der amerikanischen Botschaft. Ihr früherer Wohnsitz und das angrenzende Gelände standen
für einige Jahre leer. Dann beriet sich Ras Destas Tochter, Immebet (=Lady) Hirut Desta, die zu jener Zeit Direktorin der ehemaligen
Itege-Menen-Oberschule war, mit ihrer Mutter, Itege Menen, und sie beschlossen, daß das Haus und Grundstück ihrer Familie nicht länger
ungenutzt bleiben sollte. Im Jahre 1951 Äth. Kla. (=1958/59)
wurden zunächst probeweise für die 1. bis 3. Klassenstufe Lehrer und Arbeitskräfte
eingestellt und alle Vorbereitungen getroffen,um neben der Grundschule das erste Schülerinternat für die Grundschule zu schaffen.
In dieser Internatsschule wurden nur Mädchen unterrichtet.
Sie –zumeist Kinder von Adligen und wohlhabenden
Bürgern– wurden mit besonderer Sorgfalt ausgebildet.
Bis 1962 Äth. Kal. (=1969/70) lag die Leitung
des Internats in den Händen von
Frau Sofia Antonio, einer Ausländerin,
die sorgsam über die Qualität der Ausbildung
wachte. Den Mädchen wurden neben der
allgemeinen
Ausbildung durch qualifizierte Lehrkräfte auch praktische Kenntnisse in Haushaltführung und Handarbeiten vermittelt. Auf dem »Elterntag«,
der alljährlich auch von Angehörigen der Kaiserfamilie, Mitgliedern der Regierung und anderen hohen Würdenträgern besucht und mit viel
Pomp gefeiert wurde, konnten die von den Mädchen gestalteten Arbeiten Gewinn bringend
verkauft werden.
Die Schule wurde allmählich bis zur Klassenstufe 8 erweitert.
Ab 1955 Äth. Kal. (=1962/63) war sie keine Internatsschule mehr, sondern wurde in eine allgemeinbildende
Grundschule umgewandelt.
Damals plante die Schulbehörde, das alte Haus zu renovieren –dabei aber seine historische Form zu erhalten–
und neue Unterrichtsgebäude zu errichten. Die Verwirklichung dieser Pläne fiel jedoch
in die Zeit des Regierungswechsels im Jahre 1966 Äth. Kal. (=1974), der Bodenreform im Februar/März 1967 (=1975)
und der Reform des städtischen
Wohneigentums im Juli 1967 (=1975). In diesem Zusammenhang wurde auch der
Name der Schule geändert –aus der Itege-Menen-Grundschule wurde fortan die allgemeinbildende Grund-
und Mittelschule Dil Betigil (durch Fleiß zum Erfolg).
Mit Beginn des Schuljahres 1971 (1978) lernen nun Jungen und Mädchen der Umgebung gemeinsam in dieser Schule.
Diese Informationen erhielten wir von den Anwohnern der Schule, Herrn Gashou, Angestellter im Hause von Ras Desta, Frau Belaynesh und der Lehrerin Worknesh Beyene, die von 1962-1996 Äth. Kal. (=1969-2004) an dieser Schule tätig war.
Übersetzung von Dr. Renate Richter