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Reisebericht 2005 Vorwort im Nachtrag  


Die ersten zwei e-Mails sind gut und schnell angekommen. Welche Freude für mich und meine
Familie. Aber die Freude war zu früh, alle weiteren Mails, die ich mit viel Mühe und Aufwand fast
täglich aus Internetcafes verschickte, sind bis heute noch nicht da.
Deshalb nun eine Zusammenfassung aus den vielen kleinen Mails.

Ein Reisebericht zum »Wasserhahnprojekt« Mein Aufenthalt in Addis Abeba
vom 3.-22. Januar 2005.

(zum abspielen wird QuickTimePlayer benötigt)

 


Die Reise | 03. Januar 2005 – Tahesas 25. 1997 (Greogorianischer Kalender)  


Ja, Addis Abeba, das Land der Äthiopier, der Menschen mit der verbrannten Haut, wie die alten Griechen sagen. Das Land, wo es kein Telefon und keine E-Mail gibt?

Ein Land, mit einer ungewöhnlichen Vielfalt hinsichtlich seiner Topografie und seiner zahlreichen ethnischen Gemeinschaften. Über 40 Völkergruppen sprechen ihre eigene Sprache. Um die Verständigung untereinander zu ermöglichen wurde das Amharische als Amtssprache festgelegt. Zusätzlich kommt man mit Englisch weiter, jedoch nur diejenigen, die eine entsprechende Schulbildung erlangen konnten.

B1.gif Ich Reise befasst, doch die konkrete Praxis sieht dann doch immer anders aus. Was nimmt man gegen eventuelle Krankheiten mit? Brauche ich neue Schutzimpfungen, wie z.B. Gelbfiber und Tetanus? Wo bekomme ich diese? Oder reicht der Schutz vom letzten Mal noch? Hoffentlichhabe ich alles bedacht. Das Visum, das mir den Eintritt in das Land erlaubt, bekommt man nicht leicht von der Visaabteilung der Äthiopischen Botschaft in Berlin. Man braucht viel Geduld.

B15.gif Mit Rollkoffer, Rucksack und Laptop begann ich früh die Reise. Von Leipzig nach Frankfurt, ein paar Stunden Wartezeit, Beine vertreten und im Wartesaal sitzen und lesen, einchecken und endlich auf der Anzeigetafel Boing 767 der Ethiopian Airline.

Ohne viel Verspätung sind wir gegen 14.45 Uhr gestartet. Von den Passagieren scheinen die meisten Äthiopier zu sein. Nach knapp 8 Stunden Flugzeit, ohne das so unglaublich zerklüftete Land von oben zu sehen bin ich in Addis Abeba, im Dunkeln auf dem Bole International Airport im Südwesten der Stadt gelandet. Das Flughafengebäude ist neu erbaut. Auf meiner Uhr ist es 10 Uhr abends, 12 Uhr Ortszeit. Es folgte das übliche ausfüllen von Formularen. Hier braucht man Amaharisch oder Englisch. Vor dem Flughafengebäude wogt eine riesige Menschenmenge, die ihre Verwandten erwartet. Wo auch ich von meiner Familie glücklich empfangen wurde. Es ist plötzlich empfindlich kalt. Kein Wunder: Ich bin hier ja 2004m hoch!

Bis bald!


Der Reiche hat Honig, der Arme hat Kraut | 07. Januar 2005  


B3.gif Die Äthiopier sind zutiefst gläubig. Kirchliche Zeremonien sind die wichtigsten Eckpunkte des äthiopischen Lebens. Die Feierlichkeiten sind eindrucksvoll und einzigartig.
Bis vor kurzem war Äthiopien immer eine christliche Insel in der islamischen Welt, doch inzwischen ist die Zahl der Islamisten auf fast die Hälfte der Bevölkerung angestiegen. Die Äthiopier sind sehr stolz auf ihre Kultur und Zivilisation.
Die meisten Menschen stehen Besuchern freundlich und neugierig gegenüber. Die Arbeitslosenquote ist sehr hoch. Hier leben die Ärmsten und tragen doch ihr Schicksal mit Würde und höchster Ergebenheit. Sie sagen:»Der Reiche hat Honig, der Arme hat Kraut.«


B6.gif Ab heute wird für Weihnachten (Genna), am 7. Januar, vorbereitet. Weihnachten ist hier nicht der Höhepunkt im christlichen Jahr, sondern das ist Ostern, Fasika. Es wird in der Familie gefeiert, wie hier. Es ist eines von vielen kirchlichen Festen. Dafür wird gekauft und gekocht. Wer Geld hat kauft sich ein Schaf und schlachtet es zu Hause. Andere kaufen Hühnchen und Rindfleisch ( etwa 200 Birr, das sind ca. 18 EUR) für das traditionelle Essen und es gibt eine Art Honigwein, Met, oder Bier dazu.


B4.gif In Geschäftsvierteln von Addis kann man auch bei 28 Grad Hitze überall Weihnachtsbäume und Rentiere leuchten sehen. Ich habe sogar zwei schwarze Weihnachtsmänner mit weißem Bart gesehen, die die wenigen wohlhabenden Äthiopier erfreuen » Kaffee« Der Kaffee hat seinen Ursprung in Äthiopien und ist dort wichtiger Bestandteil des täglichen Lebens. Es gibt keinen besseren Kaffee auf der Welt. Die Kaffeezeremonie wird nach den Mahlzeiten mit viel Charme und Anmut zelebriert.



Die erste Station | 10. Januar 2005  


B5.gif Hi. liebe Leute , es ist ein herrlicher, frischer Morgen mit Vogelgezwitscher. Die Außentemperatur beträgt 20 Grad und wir haben einen fast blauen Himmel. Die Temperaturen in A.A. sind gemässigt, manchmal kühl, aber heute z.B. sehr warm, fast tropisch, mittags sind es bis 28-30 Grad. "Addis Abeba" was "Neu Blume" bedeutet, ist die am schnellsten wachsende Stadt Afrikas.
Zur Zeit leben etwa 3 Millionen Menschen in der Stadt. Genaue Zahlen weiß niemand. Man hat gesagt, Addis kann man nur akzeptieren und lieben oder hassen, sonst dreht man durch.
Übrigens, der rasche Bevölkerungszuwachs lässt nach Schätzungen von »Addis Abeba Wather And Sewerage Authority« (AAWSA), bald 25% der Bevölkerung an unzureichender Wasserversorgung leiden.



Ein Land im Wechsel | 11. Januar 2005  


Addis Abeba steckt voller Überraschungen. Es hat eine Fläche von 250 qkm, die von vielen Kontrasten lebt.
Ein Bürgermeister tut in Addis alles, um seine Stadt in den nächsten zehn Jahren zum Positiven zu verändern. Man kann seinem Einsatz nur alles Gute wünschen. Zur Zeit ist die Stadt ein einziger Bauplatz, voller Menschengewühl zwischen den kleinen Wellblechgedeckten Hütten, die am Rand der Trampelpfade stehen. Viele alte Baracken werden jetzt abgerissen und es entstehen Bürogebäude, Hotels und Villen.
B11.gif Addis bietet viel an abwechslungsreicher Unterhaltung, Kaffees, Nachtclubs, Sport, Kulturangebote, z.B. Ausstellungen und musikalische Veranstaltungen. Es mischen sich bekannte mit unbekanntem Gerüchen, Staubwolken wabbern über den Boden. Addis ist eine Stadt, in der ein Durcheinander herrscht. In acht Monaten entsteht ein Haus mit vier Etagen, man kann mit wenig Geld, für europäische Verhältnisse, sehr gut bauen. Aber man sieht auch Bettler, mehr als auf den Straßen hier.

Was mir gar nicht gefällt und mich an Zeiten früherer Diktatur erinnert, sind Straßenabsperrungen, wenn Politiker in Autokolonnen entlang fahren. Die Menschen werden drangsaliert, so daß sich jeder wie ein potentieller Terrorist fühlt.
Etwas besonderes am Leben in Addis Abeba ist das Autofahren. Autos, die in Europa ihren Straßendienst abgeleistet haben, verrostet sind und unglaublichen Dreck machen, sind dort noch im Dienst. Außerdem verpesten auch Geländewagen die Luft, die jeder Diplomat, die Polizei, Entwicklungshelfer und natürlich reiche Äthiopier zur eigenen Sicherheit fahren. Autofahren ist in Addis ein Wettkampf und nur derjenige gewinnt, der sich am besten durchsetzen kann. Hier gibt es die meisten Verkehrsunfälle in der Welt. Addis ist die Stadt in der die halbe Konsumgüterproduktion Chinas und der Türkei zukaufen ist.



Alte Bekannte | 12. Januar 2005  


In unserer Partnerschule »Jerusalem Primary Public School«, die gibt es seit 1970, beginne ich mit Mailart und Postern. In der Schule werden 2000 Kinder zwischen 6-17 Jahren unterrichtet. Die Direktorin Frau Tebles Teka Tesfaye und Herr Ephrem Getachew, der Stellvertreter, sowie Frau Derbia Schiferaw, meine Projektpartnerin, empfingen mich freundlich.
Auch für die Schulkinder hier ist Wasser ein knappes Gut. Viele der Kinder haben zu Hause keinen Wasserhahn und an das Flaschenwasser aus dem Supermarkt ist nicht zu denken. Aber erstaunlicherweise kommen die 2000 Kinder und ihre 45 Lehrer mit den 12 Wasserhähnen der Schule, trotz zunehmender Knappheit, gut klar.

B12.gif Die große Überraschung des heutigen Tages: zwei Jungen, die ich vor 5 Jahren fotografiert habe und zur Vorbereitung unseres Projektes auf dem »Wasserhahnplakat« abgebildet habe, traf ich wieder, Yeickal Assefa, 15 Jahre und Theodros Fekadu, 17 Jahre. Sie sind in der 8. Klasse der Schule, die mein erster Anlaufpunkt war. Die Arbeit mit 45 ausgewählten Kindern lief sehr gut. Ich hatte die Bibliothek der Schule bereit gestellt bekommen, eine Baracke ca. 30 qm groß, mit Wellblechdach. Sonst müssen dort 90 Kinder Platz haben. Alles war so vorbereitet, das mit dem bereitgestellten Material gut gearbeitet werden konnte. Bevor die Kinder mit viel Eifer und Liebe an die praktische Arbeit gingen, führten wir Gespräche. Und als wir am Ende den Raum verlassen, sehe ich in lachende, hoffnungsvolle Gesichter.



Zu viel – zu wenig | 14. Januar 2005  


Es gibt hier zwei Regenzeiten pro Jahr, eine unregelmäßige kurze, von Mitte, Ende Januar
bis Anfang März. Und die große Regenzeit, wird auch als »Winter« bezeichnet, ist im Juli,August.
Der Regen fällt kurz, heftig, sintflutartig oder langanhaltend und leicht, dann fast den ganzen Tag.
Ich habe die erstere erwischt.
B9.gif Schon letzte Nacht, wie auch diese, hat es wieder sehr heftig geregnet. Heute früh sieht es besser aus, wolkig, aber kein Regen. Meistens weht auch ein Wind und nachts fallen die Temperaturen. Sogar mir ist es kalt und ich muß meinen warmen Pullover raus holen.

B10.gif Mit dem Leiter des Goethe-Instituts und Kulturattaché, Dr. Werner-Dieter Klucke, versuchte ich über das »Wasserhahn-Projekt« ein Gespräch zu führen, leider gab es kein Interesse. Das Goethe-Institut in Addis Abeba ist eine Oase in der Wüste. Dort herrscht genauso viel Bürokratie und Willkür
wie sonst im ganzen Land, wenn man nicht in deren Raster passt, ist man raus. In der Zukunft werde ich keine Versuche mehr machen, solange die Einstellung dieses Instituts so oberflächlich, nicht neutral und einseitig ist. Einen Verein wie in Leipzig, »Städtepartnerschaft Leipzig-Addis Abeba e.V.« gibt es dort nicht.
B16.gif

Heute war die Arbeitsbesprechung mit den Verantwortlichen der »German School« in Addis Abeba, Herr Teklu Tafesse und Pastor Hans Joachim Krause. In dieser Schule werden ca. 600 Kinder von einem 22 köpfigen äthiopischen Lehrerteam unterrichtet.
Die Schule wird also auch an unserem Projekt teilnehmen. Des weiteren, nachmittags war ich in der »Dil Betrigil Primary School«. Hier werden ca. 1400 Mädchen und 1500 Jungen, 1.-8. Klasse von etwa 70 Lehrern betreut.
Wie auch an den anderen Schulen bestimmt der Wassermangel den Alltag vieler Kinder. Welcher Mühe es bedarf den täglichen Bedarf an Wasserversorgung sicherzustellen, ist nicht nachzuvollziehen. An allen Schulen haben ca. 45 Kinder an dem Projekt teilgenommen. Sie waren alle begeistert dabei. Es sind viele Plakate und Postkarten entstanden. Sie haben sogar Lieder geschrieben und auch gesungen.



Eindrücke | 18. Januar 2005  


Seit letztem Mittwoch regnet es nachts regelmäßig und ausreichend. Das vertreibt die wenigen Mücken, die ich erlebt habe. Man braucht wenigstens keine Angst vor Mücken zu haben.

B7.gif Das Fest Timkat, Erscheinungsfest, Ende Januar ist das größte und farbenfreudigste Fest des Jahres. Der heilige Tabot, eine Tafel aus Holz oder Stein, die sinnbildlich für die Gesetzestafeln steht, die in der Bundeslade aufbewahrt werden, wird mit großer Feierlichkeit aus den Kirchen heraus gebracht und von einem Priester die ganze Nacht hoch über dem Kopf gehalten.

B8.gif Das ist auch das fest der Kinder. Hier habe ich auch Fahrrad fahren gelernt. Für diese farbenprächtige Zeremonie legen die Priester wunderschöne Brokatroben an. Die ganze Nacht über werden die Jungpriester, Depteras, die in der Ausbildung sind, nicht müde ihre religiösen Lieder zu singen und ihre monotonen, heiligen Tänze aufzuführen, die rhythmischen Rasseln der Sistren und Trommeln werden geschlagen.
Viele Erwachsene lassen sich an diesem Tag taufen. Es geht laut, lebhaft und ausgelassen zu, bis die Tabots wieder in ihren eigenen Kirchen zurückgekehrt sind.
Dann ist wieder Ruhe und Stille. Es gibt dann viele Touristen, die fotografieren. Nicht alle mögen das,
manche stehen dem sehr ablehnend gegenüber. Andere wollen nur gefragt werden oder man muß
etwas Geld bezahlen um eine Erlaubnis zu erhalten.



Zurück | 23. Januar 2005  


Reiseb.gif Am 22. Januar war ich früh 10.00 Uhr wieder in Leipzig auf dem Flughafen. Übermüdet, weil über 30 Stunden auf dem Beinen, glücklich,
weil alles gut gelaufen ist und die Leipziger sehen werden, was in Addis Abeba entstanden ist. Bleibt also neugierig und kommt
am Sonntag, den 27. Februar, 14.00 Uhr ins WERK 2.


Solomon Wija 2005