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Leipzig – Addis Abeba | 23.09.-14.10.2010
Auch dieses Mal rief mich mein treuer Begleiter, ein Amhare, den ich aber gar nicht kenne, an. Er erkundigte sich
nach meinem Projekt und warum ich nach Addis fliege.
Die Situation erinnert mich an DDR-Zeiten.
Mein Flug war ohne Probleme. Nach knapp
sieben Stunden Flugzeit landeten wir in Addis Adeba
auf dem Bole International Airport in der Abenddämmerung.
Auf dem internationalen Flughafen »Bole« beginnt für mich und die meisten Touristen das äthiopisches Abenteuer.
Obwohl ich öfter hier bin, ist es auch für mich jedes Mal anders.
Die Menschen werden wie immer drangsaliert,
so dass sich jeder wie ein potentieller Terrorist fühlt.
Vielleicht ist Addis Abeba deshalb so sicher.
Da der Flughafen sehr modern ist, sind die ersten Eindrücke trotzdem ausgesprochen positiv.
Teddy, mein Projektpartner und erfahrener Begleiter, ein Alleskönner, ohne ihn wäre manches sicherlich sehr viel schwieriger,
empfing mich freundlich.
Addis Abeba, die Hauptstadt des Landes, liegt 2200-2300 m hoch in einem Talkessel,
umgeben von hohen,
teils bewaldeten Bergketten.
Die kulturellen Sehenswürdigkeiten halten sich sehr in Grenzen.
Adiss ist noch eine junge Stadt, erst etwa 100 Jahre alt.

Noch dominieren die vielen armseligen Wellblechhütten das Stadtbild. Allerdings gibt es inzwischen
einiges neues, chaotisches Durcheinander von Hochhäusern. Im Moment werden viele alte Baracken abgerissen und es entstehen Bürogebäude,
Hotels und Villen.
Die Stadt ist zur Zeit ein einziger Bauplatz.
Eine Frage für mich, ob der, von der Stadt
Leipzig gestiftete Platz ein guter Beitrag ist.

der sogenannte »Leipzig Square«
Im Gegensatz zu den vergangenen Besuchen, war für mich dieses Mal besonders auffallend, dass es
sehr laut und
die Luft noch schlechter geworden ist.
Es mischen sich bekannte mit unbekanntem Gerüchen, Staubwolken wabbern über den Boden. Dazu tragen
die Autos und die Dieselgeneratoren bei. Die Temperatur früh 7.00 Uhr betrug meistens
14 Grad und wir hatten einen blau-rot-gelben Himmel.
Mittags waren es dann
28-30 Grad. Ich litt sehr unter der Hitze.

Weil mein erster Tag ein Samstag war, d.h keine Schule, besuchte ich die Frauen, die in diesen
alten Baracken ihren Arbeitsplatz haben.
Da bekanntlich in Äthiopien die Uhren anders laufen,
wird der geplante Einkaufsstand wahrscheinlich
nicht in einer von mir gewünschten Zeit begonnen zu bauen.

Die Verantwortlichen im Kebele mussten von den Frauen und mir sehr mühsam von der Idee eines besseren
Arbeitsplatzes überzeugt werden.
Auf die Genehmigung hoffen wir noch dieses Jahr, sonst werden wir andere Wege suchen.
Mein wichtigster Anlaufpunkt sind natürlich die Schulen.
Oft wird man mit purer Lebensfreude empfangen, dann kann es sein, dass man zu ganz anderen Arbeiten geführt wird, als den geplanten.
Wenn es etwas gibt, was ich in den vergangenen Zeiten hier gelernt habe, ist es die Tatsache, dass die Geduld ein
entscheidender Teil meiner Arbeit ist.
Auch dieses Mal, wie in den vergangenen Jahren, wurden die Leiter der Schulen und die Stellvertreter ausgewechselt,
sie gehörten eben nicht der richtigen Partei an. Das ich jedes Mal neu verhandeln und mich vorstellen muss, erleichtert
das Arbeiten nicht gerade.
Da aber der Zustand des Altbaues in so gravierend schlechtem Zustand war, wäre die Sanierung zu kostspielig gewesen.
Deshalb haben wir für uns für einen Neubau entschieden.
Obwohl alles schon hätte vorbereitet sein können, fing ich also mit den neuen »Chef's« wieder von vorne an.
Die Baugenehmigung wurde beim Kebele beantragt und nach längerem Gespräch auch genehmigt.
So konnten wir beginnen und haben
unseren Bauleiter ausgesucht.
Mit ihm wurde geplant, gerechnet und Material eingekauft.
Eine große Schwierigkeit beim Bau, war das
Fehlen des Wassers.

Es musste vom ca. 1,5 km entfernten Fluss in Kanistern und Eimern heran geschleppt werden.
Den Bau voran zu bringen war zeitlich natürlich die größte Aufgabe während meines Aufenthaltes.
Inzwischen ist der Raum fertig und etwa 24 qm groß.
Bei meiner nächsten Reise wird die Inneneinrichtung erneuert und besser ausgestattet,
so gut es die finanziellen Mittel erlauben werden.

der fertige Sanitätsraum
Weiter konnten 114 Kinder dieses Jahr direkt unterstützt werden.
Sie besuchen die verschiedenen Schulen, 80 davon die Qusquam-, 22 die Dil-Betigil-
und 12 Kinder die Jerusalem-Grundschule.
Weitere 11 Kinder erhielten durch private Spender eine zusätzliche Versorgung.
Durch unsere Unterstützung können diese Kinder in ihren Familien wohnen bleiben und
sind davor bewahrt »Straßenkinder“ zu werden. So bekamen sie alle neue Schulkleidung,
die für mindestens zwei Jahre reicht, und Schulmaterial. Einige erhalten ein tägliches Essen und es
gibt eine medizinische Grundversorgung.
Der grüne Stoff, den die Kinder hier in der Qusquam-Schule tragen,
ist, wie auch alles andere, um ca. 30% teurer geworden.
Wenigstens können wir einheimische Schneider damit beauftragen und so auch dort eine momentane Verbesserung schaffen.

In der Dil-Betigel Schule waren die Wartung des Sanitätsraumes und der Einkauf von Medikamenten wichtig.
Alle, von der sehr patenten Sanitäterin, gewünschten Artikel,
konnten dieses Mal schnell
und unproblematisch beschafft werden.
Dazu gehörten z. B. Binden für die Mädchen, die oft
in der Schule das erste Mal ihre Regel bekommen
und noch völlig unaufgeklärt dort Hilfe erhalten.
Ich danke allen, die mir ihr Geld anvertraut haben,
für die Kinder in Addis Abeba.
Amesegenalo – Danke!
Solomon Wija